Aktuelle Filme

Der Anachronist

25. APR | 20.30h

Regie: Christian Knorr
Spezialanlass in Anwesenheit von Regie und Live Performance von Balz Nill (Ex - Schlagzeuger Stiller Haas )

Er war Bauernbub und Künstler, kam weit herum und blieb dennoch verwurzelt. Der Berner Werner Schwarz (1918-1994) lebte den Widerspruch, schuf darüber ein reiches Werk und faszinierte als selbstbewusster, kreativer Aussenseiter. Zu seinem hundertsten Geburtstag hat Christian Knorr eine äusserst dichte Hommage geschaf-fen, die sich nicht nur auf Film- und Fotomaterial stützt, sondern auch Wegbegleiter des "Anachronisten" zu Wort kommen lässt, darunter der Schriftsteller Lukas Hartmann und Alt-Nationalrat Helmut Hubacher. Ein Künstlerporträt, das Anleitung gibt, wie sich in der Schweiz anders leben liesse.

Tscharniblues II

26. APR | 20.30h

Regie: Aron Nick

1979. Sechs Teenager, die im Berner Tscharnergut aufgewachsen sind, drehen auf Super8 ein Gruppenselfie, das ihre Träume und Sehnsüchte zum Ausdruck bringt. Obwohl das Geld nicht einmal zur Fertigstellung reicht, erregt der Film Aufsehen – als Statement der Generation von 1980. Aron Nick, der Sohn eines dieser Tscharniblueser, hat die Überlebenden noch einmal vor der Kamera zusammengebracht, konfrontiert sie mit ihren damaligen Idealen und lässt sie Rückschau halten auf ihre ganz unterschiedlichen Lebenswege. Entstanden ist die anrührende Geschichte einer Freundschaft, die zugleich Auskunft darüber gibt, wie sich unser Land in den letzten vier Jahrzehnten verändert hat.

Tel Aviv on Fire

27. APR | 20.30h

Regie: Sameh Zoabi

Der Palästinenser Salam absolviert ein Praktikum bei der Kult-Soap "Tel Aviv on Fire". Auf dem Arbeitsweg passiert er täglich einen israelischen Checkpoint, den Assi kommandiert, und dessen Frau wiederum verpasst keine Folge der Serie. Die beiden Männer kommen ins Gespräch, und um bei seiner Frau zu punkten, beginnt Assi Salam Tipp bezüglich Handlung und Dialogen zu geben. So verwirren sich in dieser Komödie von Sameh Zoabi mehr und mehr die Grenzen zwischen Soap und Wirklichkeit. Das ermöglicht einen menschlich-humorvollen Blick auf einen Konflikt, unter dem die Betroffenen – auf beiden Seiten – gleichermassen leiden.

Gateways to New York

29. APR | 18.00h

Regie: Martin Witz

Praktisch jeder hat Bilder der Washington Bridge im Kopf, dieser Ikone der modernen amerikanischen Baukunst, die 1931 fertiggestellt wurde. Konstruiert hat sie – nebst anderen bedeutenden Hängebrücken – der Schweizer Ingenieur Othmar Ammann (1979-1965), der nach dem Studium in den USA sein Glück suchte. Dort stieg er rasch zum leitenden Angestellten eines renommierten Architekturbüros auf. Aber als es um den Bau der Washington Bridge ging, warf er wegen technischen Differenzen den Bettel hin und setzte, allein auf sich gestellt, seine Vision gegen das Projekt des früheren Arbeitgebers durch. Der Dokumentarfilm von Martin Witz erinnert an eine eindrückliche Persönlichkeit, die hierzulande fast etwas in Vergessenheit geraten ist.

YULI

29. APR | 20.30h

Regie: Iciar Bollain

Yuli ist ziemlich wild in den Strassen Havannas aufgewachsen, doch schon als Bub kann er Jacksons Moonwalk perfekt imitieren. Der Vater, der selbst noch von Sklaven abstammt, erkennt das Potential, will den Jungen zu seinem Glück zwingen und prügelt ihn buchstäblich durch eine Tanzausbildung. Als Yuli sich schliesslich mit der zugedachten Rolle identifiziert, entfaltet er sein ganzes Talent. Das führt ihn hinaus aus Kuba; er wird zum Mitglied des Royal Ballett in London und zum ersten schwarzen Tänzer, der den Romeo spielt. Die Spanierin Iciar Bollain zeichnet das Leben des kubanischen Tänzers Carlos Acosta (*1973) nach, wobei sie die einzelnen Entwicklungsstationen geschickt mit Ballettauftritten des Stars verflicht. Sie bringen zum Ausdruck, was sich im Rahmen eines gewöhnlichen Biopics nicht sagen lässt.

Spuren und Geschichten

30. APR | 18.00h

Regie: Francis Reusser

Francis Reusser (*1942) gehört zu den welschen Cineasten, die in den sechziger und siebziger Jahren das Schweizer Kino praktisch neu erfanden: als ein Kino des Widerstandes, in dem die Grundwelle von 68 stets zu spüren ist. Nun blickt Reusser in einem humorvollen filmischen Tagebuch zurück auf sein Leben und sein Schaffen. Er besucht Stationen seines Lebens, flicht Bilder sowie Dialoge aus alten Filmen ein und kommentiert diese aus heutiger Sicht. Entstanden ist so eine höchst persönliche Er-innerungsspur, darüber hinaus aber auch ein cineastisches Gedächtnis unseres Landes, das Aufschluss gibt über die Entwicklung der Medien wie der Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Passion

30. APR | 20.30h

Regie: Christian Labhart

Als Jugendlicher liess Christian Labhart (Segantini) sich anstecken vom Geist des Aufbruchs, vom Versprechen auf eine gerechtere Welt. In seinem neusten Film zieht er eine sehr persönliche Bilanz: Wohin hat sich die Gesellschaft in den letzten fünfzig Jahren entwickelt? Was ist aus den Utopien von 68 geworden? Unterlegt ist dieser kritische filmische Essay mit eindringlichen Texten von Brecht, von Kafka, aber auch von Ulrike Meinhoff.